Kaschmir ist von den dreien am feinsten, Alpaka am längsten und besonders zugfest, Merinowolle am sprungkräftigsten. Alle drei sind Keratinfasern, und Merinowolle und Kaschmir nehmen etwa gleich viel Feuchtigkeit auf – der Unterschied entsteht anderswo. Die Kräuselung von Merinowolle beträgt 80–150 Grad pro Millimeter, die von Huacaya-Alpaka etwa 33. Deshalb findet ein Merinopullover in seine Form zurück, während sich ein Alpakapullover unter seinem eigenen Gewicht leichter dehnt. Das ist auch der Grund, warum Merinowolle die Grundlage unseres Sortiments ist.
Woher stammen diese Fasern?
Merinowolle wird in der Regel einmal im Jahr vom Merinoschaf geschoren. Die Rasse wird vor allem in Neuseeland, Australien und Südamerika gezüchtet.
Kaschmir stammt aus der Unterwolle der Kaschmirziege, die im Frühjahr ausgekämmt oder geschoren wird.
Alpakawolle wird vom Alpaka geschoren, einem Neuweltkamel aus den südamerikanischen Anden. Es gibt zwei Alpakarassen: Huacaya und Suri.
Wie unterscheiden sich die Fasern in Zahlen?
Die Werte in der Tabelle stammen aus unabhängigen Quellen, überwiegend aus einer Forschungsübersicht der australischen RIRDC zu seltenen Fasern. Die Quellen finden Sie am Ende des Artikels.
| Eigenschaft | Merinowolle | Kaschmir | Alpaka |
|---|---|---|---|
| Faserstärke | 15–22 µm* | 13–19 µm | 17–45 µm |
| Kräuselung | 80–150 °/mm | Geringer als bei Merino | Huacaya 33 °/mm, Suri 5–15 °/mm |
| Feuchtigkeitsaufnahme | ca. 14–16 % | ca. 14–16 % | 8–15 % (Angaben schwanken) |
| Faserlänge | ca. 60–100 mm | ca. 30–45 mm | Huacaya im Mittel ca. 116 mm |
| Vorteil | Sprungkraft und Formbeständigkeit | – | Zugfestigkeit und Länge |
| Maschinenwäsche | Oft maschinenwaschbar | Meist Handwäsche | Meist Handwäsche |
| Als Basisschicht | Etabliert | Selten | Selten |
* Merinowolle für Bekleidung. Laut Woolmark liegt Merinowolle meist unter 22 Mikron. – = kein vergleichbarer Messwert gefunden. Die Pflegehinweise unterscheiden sich von Produkt zu Produkt, prüfen Sie immer das Pflegeetikett.
In der Merino-Unterwäsche von North Outdoor misst die Merinowolle 17,5–19,5 Mikron. Unsere feinste Merinowolle mit 16,0 Mikron verwenden wir in den Luka- und Aura-Merinojacken aus OPTIM™-Stoff sowie in der River-Merinocap.

Beachten Sie, wie breit die Spanne der Faserstärke bei Alpaka ist. In den USA wurden 606 Huacaya-Proben gemessen, der Durchschnitt lag bei 27,9 Mikron, die Werte reichten von 15,1 bis 49,3. Die Feinheit von Alpaka schwankt also stark. Bei Kleidung, die direkt auf der Haut getragen wird, lohnt sich ein Blick auf die angegebene Mikronzahl.
Warum ist die Kräuselung wichtiger als die Weichheit?
Die Kräuselung beschreibt, wie stark die Faser von sich aus gewellt ist, und wird in Grad pro Millimeter gemessen. Sie ist die physikalische Grundlage für die Sprungkraft, die Bauschigkeit und das Rückstellvermögen von Wolle: Eine gekräuselte Faser wirkt wie eine kleine Feder.
Die Unterschiede sind groß. Bei Merinowolle beträgt die Kräuselung 80–150 °/mm, der Durchschnitt von zwölf Herden liegt bei etwa 115. Bei Huacaya-Alpaka liegt der Durchschnitt bei 33,2 °/mm, bei Suri-Alpaka beträgt die Kräuselung 5–15 °/mm, die Faser ist also praktisch gerade. Die Kräuselung von Kaschmir ist geringer und unregelmäßiger als die von Merinowolle.
Daraus folgen zwei Dinge. Ein Merinopullover findet nach dem Tragen in seine Form zurück, während sich ein Alpakapullover unter seinem eigenen Gewicht leichter dehnt. Außerdem hält die gekräuselte Faser das Gestrick bauschig, sodass zwischen den Fasern Luft eingeschlossen bleibt.
Welche Wolle ist am wärmsten: Kaschmir, Alpaka oder Merinowolle?
Die Wärme hängt stärker von der Dicke des Gestricks ab als von der Faserart. Ein Strickstück isoliert, weil zwischen den Fasern ruhende Luft eingeschlossen ist, und je dicker das Gestrick, desto mehr Luft hat darin Platz. In Untersuchungen zur Wärmeisolation von Textilien hat sich die Dicke unabhängig vom Fasermaterial als wichtigster Faktor erwiesen.
Wichtig ist auch, ob die Luft beim Tragen im Gestrick bleibt. Wenn das Gestrick dem Zusammendrücken standhält und sich davon erholt, bleibt die Luftschicht erhalten. Hier ist die Kräuselung von Merinowolle ein Vorteil: Sie hält das Gestrick auch nach dem Tragen bauschig.
Wichtiger als die Faserart ist deshalb das Gewicht des Gestricks. Bei Unterwäsche erkennen Sie es am Wert in g/m²: 150 g/m² ist dünn und eignet sich für Bewegung, 260 g/m² ist dick und passt zu Frost und ruhigen Aktivitäten. Unsere wärmste Merino-Unterwäsche ist Arctic 260 aus 100 % Merinowolle.

Zwei verbreitete Behauptungen, die nicht stimmen
In Materialvergleichen tauchen immer wieder einige Behauptungen auf, die einer genaueren Prüfung nicht standhalten. Wir stellen sie richtig, weil sich auf ihrer Grundlage schwer eine Kaufentscheidung treffen lässt.
1. Die Alpakafaser ist hohl
Das stimmt nicht in der Form, in der es meist dargestellt wird. Ein Teil der Alpakafasern enthält eine Medulla, also lufthaltige Zellstrukturen. Es handelt sich nicht um eine Röhre, sondern um eine leiterartige Zellreihe, die meist unterbrochen oder fragmentiert ist.
Am interessantesten ist die Richtung des Zusammenhangs: Die Medullation korreliert stark mit der Faserstärke. Je feiner das Alpaka, desto weniger Medulla enthält es. In einem in Peru untersuchten Datensatz von 21.600 Fasern (Huacaya-Alpakas, mittlerer Durchmesser 22,1 Mikron) waren 32,6 % der Fasern vollständig ohne Medulla. Die Lufteinschlüsse gibt es also wirklich, doch von einer hohlen Faser zu sprechen, ist übertrieben.
2. Wolle kratzt wegen des Lanolins
Nein. Das Kratzen ist ein mechanisches Phänomen, kein allergisches: Faserenden über 30 Mikron biegen sich auf der Haut nicht, sondern drücken auf ihre Schmerzrezeptoren. Ein fertiges Merinokleidungsstück enthält zudem praktisch kein Lanolin, denn die Wollwäsche senkt den Anteil auf unter 0,5 %. Mehr dazu im Artikel Kratzt Merinowolle?
Und die Feuchtigkeit – welches Material ist atmungsaktiver?
Darauf gibt es eine ehrliche Antwort: Die Faserart entscheidet darüber weniger, als oft behauptet wird.
Merinowolle und Kaschmir nehmen unter Standardbedingungen etwa 14–16 % ihres Eigengewichts an Feuchtigkeit auf. Für Alpaka sind die Quellen widersprüchlich: Die Schätzungen liegen zwischen 8 und 15 %, und eine unabhängige Originalmessung ist nicht leicht zu finden. Zum Vergleich: Polyester nimmt etwa 0,4 % auf.
Der Feuchtigkeitstransport, also die Trocknungsgeschwindigkeit, ist etwas anderes als die Feuchtigkeitsaufnahme. Ein unabhängiger Labortest mit 16 Stoffproben (Merino, Alpaka, Polyester und Mischungen) kam zu dem Ergebnis, dass die Faserwahl keinen nennenswerten Einfluss darauf hat, wie schnell Feuchtigkeit aus einer Basisschicht verdunstet. Entscheidend ist die Struktur des Gestricks: Dichte, Dicke und Ausrüstung.
Der praktische Vorteil von Merinowolle als Basisschicht ist dreifach: Sie fühlt sich auch in feuchtem Zustand trocken an, verzögert die Geruchsbildung und findet dank ihrer Kräuselung in ihre Form zurück.
Was ist haltbarer, Merinowolle oder Alpaka?
Beide haben ihre eigene Stärke: Die Alpakafaser hält Zug stand, Merinowolle findet in ihre Form zurück.
Die Alpakafaser hat eine höhere Zugfestigkeit als Wolle gleicher Feinheit und ist oft länger. Eine längere Faser bedeutet weniger Faserenden an der Oberfläche, was Pilling und Haarigkeit verringert.
Dafür ist Merinowolle sprungkräftiger. Wegen des Unterschieds in der Kräuselung hat Alpaka eine geringere Druckelastizität und ein schwächeres Rückstellvermögen. In der Praxis dehnt sich ein Alpakapullover leichter, und ein Merinopullover findet besser in seine Form zurück.
Lohnt sich eine Mischung?
In einer Mischung verbinden sich die Eigenschaften verschiedener Fasern. Merino-Kaschmir vereint die Weichheit von Kaschmir mit der Sprungkraft von Merino.
Die Pflege sollten Sie auf dem Pflegeetikett prüfen: Sie richtet sich meist nach der empfindlichsten Faser, daher wird zum Beispiel ein Merino-Kaschmir-Pullover oft von Hand gewaschen.
Es lohnt sich, die Prozentangaben zu lesen. Das Woolmark-Siegel (Pure New Wool) steht für 100 % Schurwolle, Woolmark Blend für mindestens 50 % und Wool Blend für 30–50 % Schurwolle.
Warum hat sich North Outdoor für Merinowolle entschieden?
Drei Gründe, alle aus der Praxis.
Kräuselung. Unsere Kleidung ist zum Tragen gedacht, nicht zum Aufbewahren. Die Kräuselung von Merinowolle bringt das Gestrick nach dem Tragen in seine Form zurück.
Messbarkeit. Die Feinheit von Merinowolle wird in Mikron angegeben und ist überprüfbar. Die Merinowolle unserer Unterwäsche misst 17,5–19,5 Mikron, und der Wert steht auf der Produktseite, sodass Sie vergleichen können.
Praxistauglichkeit. Merinowolle ist ein etabliertes Material für Basisschichten, während Kaschmir und Alpaka selten als Basisschicht verwendet werden. Das finnische Wetter wechselt im Laufe eines Tages, und die Kleidung muss sowohl beim schweißtreibenden Aufstieg als auch in der Pause funktionieren, wenn man stillsteht.
Wir verwenden ausschließlich mulesingfreie Merinowolle.
Welche Produkte sollten Sie sich ansehen?

- In Finnland gefertigte Merino-Strickwaren – werden in unserer eigenen Strickerei in Oulu direkt in der richtigen Größe gestrickt, sodass nur sehr wenig Material übrig bleibt.
- Wollpullover und Strickwaren für Damen und Wollpullover für Herren – eine Alternative zum Kaschmirpullover, die ihre Form behält.
- Merino-Unterwäsche – ein Einsatzbereich, für den Kaschmir und Alpaka selten verwendet werden.
Lesen Sie auch: Kratzt Merinowolle? · Merinowolle oder Schurwolle: Was ist anders? · Was ist Merinowolle?
Quellen
- The Woolmark Company: What is Merino wool – typische Feinheit von Merinowolle
- Wang, Wang & Liu: Properties, Processing and Performance of Rare and Natural Fibres, RIRDC 12/150 – Mikronbereiche, Faserlänge von Kaschmir, Medullation
- McGregor: Cashmere fibre crimp, crimp form and fibre curvature – Kräuselung von Kaschmir
- Garnsworthy et al. 1988, Journal of Neurophysiology 59(4) – Mechanismus des Kratzens und Schwellenwert von 75 mgf
- Zallmann et al. 2017, Acta Dermato-Venereologica 97(8) – der Mythos der Wollallergie, Anteil des Lanolins
- Fiber Characteristics of Huacayas, Datensatz mit 606 Proben – mittlerer Durchmesser 27,9 µm, Kräuselung 33,2 °/mm, Faserlänge 116 mm
- SGS Wool Testing Services, Bulletin 5.5B – Kräuselungswerte von Merinowolle
- AWEX-Marktdaten (Mecardo) – Verteilung der Faserlänge von Merinowolle
- Pinares et al. 2018, Small Ruminant Research – Erblichkeit der Medullation bei peruanischen Alpakas, Datensatz mit 21.600 Fasern
- The Woolmark Company, Spezifikationen F-5 und F-7 – Woolmark Blend und Wool Blend
- Abdel-Rehim et al. 2006, AUTEX Research Journal: Textile fabrics as thermal insulators – Gestrickdicke und Wärmeisolation
- WoolWise, University of New England – Aufbau der Wollfaser und Feuchtigkeitsaufnahme
- Backpacking Light – unabhängiger Laborvergleich von Materialien für Basisschichten
North Outdoor ist ein finnisches Unternehmen, das sich auf Merinowollbekleidung spezialisiert hat. Wir entwerfen unsere Produkte in Finnland, und der Großteil unserer Pullover und Strickwaren wird in unserer eigenen Strickerei in Oulu gestrickt. Wir verwenden in unseren Produkten ausschließlich mulesingfreie Merinowolle.
Aktualisiert am 3.11.2026
















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